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Zwei Rehkinder finden ein Zuhause
»Silia, Mädchen, komm her, es gibt Fläschchen....« - So ein kleines Rehkitz! Doch Silja ist schon »die Große«. Sie war das erste Reh-Findelkind, das vor einigen Wochen in der Pflegestation auf dem Friedensland der Gabriele-Stiftung aufge-nommen wurde. Ein Landwirt hatte sie beim Mähen einer Wiese im Gras gefunden, mit einem verletzten Beinchen. Normalerweise nimmt man kleine Rehkinder nicht einfach mit, denn die Mama kommt regelmäßig, um sie zu säugen. Doch hätte der Landwirt das Kitz mit seinem schlimmen Beinchen liegen lassen, hätte es wohl nicht überlebt.
»In Deutschland ist es ja so, dass man ein verletztes Rehkitz nicht einfach mitnehmen und zum Tierarzt bringen darf«, erzählt Daniel, der Tierbetreuer, der sich seit Silias Ankunft Tag und Nacht um sie kümmert. Frei lebende Tiere gelten hier als »Eigentum« des zuständigen Jägers. Nimmt man z.B. ein Tier mit, um es gesund zu pflegen, ist das »Wilderei« und illegal. Silia hatte Glück: Der Jäger hat sie freigegeben. »Erst nach dieser Einwilligung konnten wir Silia zum Tierarzt bringen«, erzählt Daniel. Der Tierarzt hatte bisher auch noch nie ein kleines Rehkitz mit gebrochenem Beinchen auf dem OP-Tisch gehabt, doch hat er sofort gehandelt: »Er hat das Bein geröntgt und dann operiert, mit Platte, Schräubchen, Gipsschiene, Verband – mit allem Drum und Dran, wie man das auch bei Menschen macht.«
Von den Kosten dieser Operation spricht der Tierbetreuer lieber nicht - nur so viel: »Tiere sind unsere Freunde, ja mehr als das: Sie gehören zur Familie. Und so, wie man für ein Familienmitglied alles tut, keine Kosten und Mühen scheut, damit es wieder gesund wird, so halten wir es auch mit unseren Tiergeschwistern ...« Mittlerweile geht es Silia prächtig. Das Bein ist verheilt, sie ist ein gutes Stück gewachsen, springt fröhlich herum - und hat seit kurzem endlich auch eine Spielgefährtin: Selinda.
Tiere brauchen unserer Hilfe
»Wie alle Kinder ist auch ein Rehkind nicht gerne allein«, erzählt Daniel, Tierbetreuer auf dem Land des Friedens der Internationalen Gabriele-Stiftung. »Darum haben wir uns umgehört, ob es noch irgendwo in Deutschland ein weiteres Findelkind gab - und tatsächlich: In Rosenheim war ein winziges Rehkitz ganz allein neben den Bahngleisen von Spaziergängern gefunden worden. Als der zuständige Jäger dazukam, wollte er es sofort totschlagen - ohne Mutter sei so ein kleines Ding nicht überlebensfähig ... Die Spaziergänger waren Tierfreunde. Sie protestierten heftig und durften das Tierlein schließlich mitnehmen und in eine Pflegestation bringen. »Diese Pflegestation hat uns informiert - und wir sind sofort losgefahren, das kleine Rehkitz auf das Land des Friedens zu holen.« In den ersten Tagen bangten die Tierbetreuer allerdings um das Leben der kleinen Selinda. Sie hatte Durchfall und baute immer mehr ab. Was tun? »Der Tierarzt sagte, dass evtl. eine Bluttransfusion das Leben des Rehkitzes retten könnte«. Und so war es auch. Silia spendete ihrer kleinen Freundin eine kleine Menge Blut - und von da an ging es bergauf. »In dieser schwierigen Zeit wichen wir nicht von Selindas Seite, schliefen in der Pflegestation, gaben ihr Medizin und immer wieder zu trinken.«
Die hingebungsvolle Pflege und medi- zinische Betreuung waren erfolgreich: Heute ist Selinda ein munteres Rehkind, das mit ihrer großen Freundin Silja schon so manchen Ausflug unternimmt. »Schön wäre ein großes Freigehege, von wo aus die beiden, wenn sie etwas größer sind, frei in den Wald und wieder nach Hause gehen können.« Denn das Ziel ist, dass die beiden Rehlein wieder freie Waldbewohner werden, die gelernt haben, dass es auf dieser Welt nicht nur Jäger gibt, sondern auch Menschen, die das Leben der Tiere respektieren. »Diese erlernte Unterscheidungsgabe können sie anderen Tieren weitergeben...«
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