![]() |
![]() ![]() |
![]() |
|
|
Internationales
Kuratorium Schweiz
Dr. Mathias Ingold
Österreich
Mag. Lotte Ertl
Italien
Claudio Panozzo
Spanien
Martín Múgica
Frankreich
Nicole Chasseloup
Luxemburg
Claude Koob
Ungarn
Erika Vign
Tschechien
Renata Novaková
Slowenien
Stanko Valpatic
Polen
Edward Wuj
Chile
Juana Soto Cabrera
Kolumbien
Rosa Osorio Díaz
Peru
Teresa Acosta
Kanada
Gabriella Szabo
USA
Kathy Duchesne
Nigeria
Emmanuel Olu
Ghana
Sylvanus Ahlijah
Kenia
Harun Ojwang
Simbabwe
Philip Bunhu
Senegal
Jean Sadio Sabity
Togo
Hospice Dogbevi
Benin
Annette Abiassi
Burkina Faso
Jean Innocent Farma
Dem. Rep. Kongo
Aubin Minaku
|
||||||||||||||||
Tradition rechtfertigt keine GrausamkeitDie Tradition, die unserem monströsen Verhalten gegenüber der Tierwelt zugrunde liegt, mag uns noch so gefestigt erscheinen: In der Jahrhunderttausende währenden Geschichte der Menschheit ist sie nur eine vergängliche, allerdings besonders grausame Epoche, wie viele andere, die sich überlebten - wie die Zeit, in der Tiere auf Altären verbrannt wurden, wie die Zeit der Menschenopfer, die Zeit des Kannibalismus und die Zeit der Sklaverei. Letztere wurde schließlich aufgrund blutiger Aufstände überwunden.
Die Tierseuchen unserer Tage sind der Aufstand der versklavten Kreatur. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier hat eine neue Dimension erhalten. Sie ist nicht mehr bloß für die Tiere tödlich, sondern auch für den Menschen lebensgefährlich geworden. Ein neuer Evolutionsschritt steht an, ähnlich dem der Überwindung der Men-schenfresserei, des Sklavenhandels oder der Frauenunterdrückung. Es war stets die Tradition, die die jeweilige Barbarei rechtfertigte; aber nur so lange, wie man die damit verbundenen ethischen Scheuklappen akzeptierte. Die Scheuklappen, um die es bei der Barbarei gegenüber den Tieren geht, sind vor allem auf die Bibel und die kirchliche Lehre zurückzuführen. Auf den ersten Seiten des Alten Testaments klingt zwar noch an, daß die Menschen in ihrer Frühzeit vermutlich vegetarisch lebten. Gott empfiehlt ihnen nicht das Fleisch ihrer Mitgeschöpfe, sondern Pflanzen und Früchte als Speise (1. Mose 1, 29). Doch wenig später verkündet dieselbe Bibel eine heillose und grausame Botschaft: "Furcht und Schrecken komme über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel ... In die Hände des Menschen sei alles gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei seine Speise." (1.Mose 9,2) Angeblich soll Gott das gesagt haben, doch wir wissen inzwischen, wie die Bibel zustande kam: in einem jahrhundertelangen Prozeß, in dem Priester und Hofbeamte Überlieferungen und eigene Vorstellungen niederschrieben. Später wurde eine Auswahl dieser Schriften "kanonisiert", als "Heilige Schrift" festgelegt. Die Tradition der Priester hielt es für richtig, den Menschen einen zürnenden und blutigen Gott vorzustellen, der bei jeder nur denkbaren Gelegenheit Unmengen von Tieropfern verlangte, "zum lieblichen Geruch für den Herrn" (3.Mose 1, 9) - und zum leiblichen Wohl der Priesterschaft, die das blutige Geschäft verrichtete und davon lebte.
Das Neue Testament ersetzt die grausamen Tieropfer durch das "Opferlamm Christus", von dessen "Blutopfer" Paulus schwärmt. Gleichzeitig gibt er die Devise aus: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das eßt, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert." (1.Kor. 10, 25) Vor diesem Hintergrund hatte in dieser Bibel kein Jesuswort zugunsten der Tiere mehr Platz. Kaum vorstellbar, daß der große Lehrer der Friedfertigkeit nicht auch etwas zur Friedfertigkeit gegenüber den Tieren gesagt hat. Doch auch die vier Evangelien sind nicht über Nacht durch eine göttliche Eingebung entstanden, sondern durch Niederschriften unbekannter Verfasser, die sich hinter den Namen der Evangelisten verbergen. Auch sie schöpften aus dem, was sie von anderen gehört hatten, und brachten ihre eigenen Vorstellungen hinein. Jahrhundertelang wurde gestritten, was von den unterschiedlichen und sich widersprechenden Texten zu den "Heiligen Schriften" gehöre und was nicht. Als Hieronymus im Auftrag des Papstes die erste lateinische Gesamtausgabe des Neuen Testaments erstellte, brachten ihn die unzähligen Widersprüchlichkeiten, Unvollständigkeiten und unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten des Bibelstoffes zur Verzweiflung. Er schrieb seinem Auftraggeber, daß ihn die Nachwelt "als Bibelfälscher" verurteilen werde, weil er jeweils auswählen und nach eigenem Gutdünken entscheiden mußte, was er für richtig oder falsch, für unvollständig und ergänzungsbedürftig hielt. Er habe "manches hinzugefügt und manches abgeändert". Und was völlig unberücksichtigt blieb, sind die sogenannten apokryphen Schriften, die keine Aufnahme in den offiziellen Bibeltext fanden. Sie wurden zum Teil vernichtet, zum Teil blieben sie über tausend Jahre verschollen und wurden in jüngster Zeit wieder aufgefunden. Alles in allem erweist sich die Bibel als Torso. Vieles, was Jesus von Nazareth gesagt und getan hat, ist darin nicht enthalten; und nicht alles, was dort "berichtet" wird, kann man für bare Münze nehmen. Das gilt auch für die Frage, wie es Jesus und Seine Jünger mit dem Fleischessen hielten, und für die Frage, ob der Nazarener zur Behandlung der Tiere wirklich nicht mehr gesagt hat, als daß der gute Hirte jedem Schaf nachgeht und dies auch am Sabbat tun darf. Inzwischen fand man in apokryphen Texten, daß Er die Menschen vor dem Kadaveressen warnte, damit sie nicht selbst als Kadaver verspeist würden. Man weiß auch, daß Jakobus, der Bruder Jesu, vegetarisch lebte. Und Schriftsteller des 2. Jahrhunderts berichten, daß viele Apostel es ebenso hielten. Doch die sich herausbildende Amtskirche hielt sich an die biblische Geringschätzung der Tiere durch die amtlichen Bibeltexte, die das Schicksal der Tiere für die nächsten 2000 Jahre besiegelte. Man behandelte sie im Anschluß an das römische Recht als Sache, als Wesen ohne Seele, als Mittel für menschliche Zwecke, jeglicher Gewalt des Menschen ausgeliefert. Der Fleischgenuß wurde faktisch zum Dogma, Vegetarismus als Ketzereigenschaft gewertet, z.B. bei den Katharern, die man im 13. Jahrhundert zu Tausenden verbrannte, weil sie als Christen anders lebten, als die Kirche es wollte. Von seiten der Philosophie, die sich jahrhundertelang als "Magd der Theologie" fühlte, kam keine Hilfe. Im Gegenteil: Im 17. Jahrhundert spitzte der für die europäische Geistesgeschichte verhängnisvolle Philosoph Descartes die auf den Menschen zentrierte Weltanschauung noch zu mit seinem berühmtberüchtigten "cogito ergo sum" - "ich denke, also bin ich". Dieser Satz wurde zu einem wirkungsmächtigen Programm. Es reduziert den Geist auf das Gehirn des Menschen. Der Rest der Welt ist tote Materie, ein Tier nichts anderes als ein Zellhaufen, den Descartes mit einem Uhrwerk aus Rädern und Federn vergleicht und dessen Schmerzen für ihn nicht mehr als das Quietschen einer Maschine sind. Diese Geringschätzung der Tiere setzt sich bis in den heutigen Katechismus der römisch-katholischen Kirche fort, der den unbarmherzigen Herrschaftsanspruch des Menschen über seine Mitgeschöpfe unterstreicht und die Tiere einschränkungslos zur Ernährung und Herstellung von Kleidung freigibt, Tierversuche erlaubt und das Leid der Tiere nur verurteilt, soweit es der "Würde des Menschen widerspricht" (Kat., Rd.Nr.2417). Dementsprechend findet sich auch nirgends eine päpstliche Enzyklika gegen die grausame Behandlung der Tiere in Laboratorien, in Käfigen der Massentierhaltung, auf Tiertransporten und in Schlachthöfen. Statt dessen schwärmen hohe kirchliche Würdenträger von blutigen Stierkämpfen und verteidigen grausame Spiele mit Tieren an kirchlichen Festtagen. Da werden Ziegenböcke von Kirchtürmen gestürzt und gefesselte Tauben mit Knallkörpern bestückt und als lebende Orakel mißbraucht, wie jährlich an Pfingsten in Orvieto. Und an Weihnachten findet allerorten ein Rekordschlachten statt, um das "Fest der Liebe" angemessen zu feiern.
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||
|
|||||||
| © 2009 Internationale Gabriele-Stiftung für alle Kulturen weltweit verwaltet durch die G.S. Stiftung Verwaltungs-GmbH E-Mail: info@gabriele-stiftung.de • Impressum, Datenschutz Max-Braun-Str. 2, 97828 Marktheidenfeld, Deutschland Tel. +49 (0) 9391-504-427, Fax +49 (0) 9391-504-430 |
|||||||